Den Traum vom Auswandern scheinen in der letzten Zeit wieder mehrere zu träumen, denn ich bekomme mehr Anfragen zu den Lebensumständen in Kambodscha. Ich gehe davon aus, dass dies an der wachsenden Unzufriedenheit mit den Zuständen in Deutschland liegt. Ausufernde Abgabenlast, wachsende Kriminalität und der Kontrollwahnsinn des Staates sind wahrlich Dinge, die das Leben nicht unbedingt angenehmer machen.
Wahrscheinlich ist, dass die allermeisten Leute, die mich anschreiben, niemals nach Kambodscha auswandern oder Deutschland überhaupt verlassen werden. Vielleicht erleichtert es ihnen ja das Leben, wenn sie lediglich mit der Illusion des Auswanderns im Kopf einfach so weitermachen wie bisher. Vielleicht reicht es ihnen, ab und zu mal auf Blogs, in Auswanderergruppen und –foren eine Anfrage zu stellen, um diese Illusion aufrechtzuerhalten.
Hinderungsgründe beim Auswandern
Die Gründe, warum es meist nur beim Sammeln von Informationen bleibt, sind sehr vielfältig. Da liest man dann: Wir wollen in 1 bis 2 Jahren auswandern, denn erst muss noch dieses oder jenes erledigt oder abgewartet werden. Nach 1 bis 2 Jahren gibt es dann wieder neue Umstände, die noch geklärt werden müssen, und so geht es immer weiter. Irgendwann heißt es dann: Nun sind wir zu alt zum Auswandern.
Meine Erfahrung ist: Man wandert aus oder man lässt es. Zum Auswandern in Länder, wo andere Lebensumstände herrschen, es einen anderen Kulturkreis gibt und eine andere Sprache gesprochen wird, gehört eine gewisse Portion Mut und auch Abenteuerlust. Vieles lässt sich nicht planen, sodass man die Dinge auch mal auf sich zukommen lassen muss. Grundsätzlich gilt aber, dass überall nur mit Wasser gekocht wird.
Das richtige Auswanderungsziel finden
Ein weiterer Hinderungsgrund ist, dass man noch nicht das richtige Auswanderungsziel gefunden hat. Wenn man allerdings meint, sein Traumland im Internet zu finden, kann das ebenfalls bis ans Lebensende dauern. Oder man kehrt enttäuscht wieder nach Deutschland zurück, weil es doch nicht so war, wie es im Internet den Anschein hatte.
Ein sinnvoller Schritt wäre, sich einmal persönlich die Welt neben den ausgetretenen Pfaden anzusehen. Zumindest einmal in die Region zu reisen, die man ins Auge gefasst hat.
Man muss es ja nicht so machen wie ich es 1999 bei meinem ersten Urlaubsaufenthalt in Südostasien gemacht habe und einfach dageblieben bin. Aber ich hatte vorher schon etwas von der Welt gesehen und Erfahrungswerte in tropischen Schwellenländern gesammelt, sodass ich zumindest ansatzweise absehen konnte, was mich erwartet. Wohlgemerkt, ohne mich vorher im Internet zu informieren.
Bei der Suche nach einem geeigneten Auswanderungsziel sollte man auch seine Ansprüche genau überdenken. Ein Land, das möglichst alles so bietet, wie es in Deutschland einmal war, nur mit besserem Klima, wo man die deutsche Sprache versteht, es ausreichend Arbeitsplätze gibt und natürlich eine erstklassige medizinische Versorgung, vielleicht noch einen Integrationskurs für deutsche Familien, wird man schwerlich finden.
Wenn man solche Voraussetzungen erwartet, kann es auf jeden Fall nicht Kambodscha sein, wohin man auswandern sollte.
Kambodscha ist kein typisches Auswanderungsland
Für mich und für viele andere Ausländer aller Nationen ist Kambodscha ein Paradies, in dem man sorgenfrei und entspannt leben kann. Die Menschen hier sind einzigartig freundlich und hilfsbereit, die Behörden lassen einen, bis auf das Visum und gegebenenfalls die Arbeitsgenehmigung, in Ruhe. Alles ist unkompliziert und kein Vergleich mit den ganzen durch die EU auferlegten Widrigkeiten in europäischen Ländern.
Außerhalb der Städte findet man viel atemberaubende Natur und auf den Dörfern ursprüngliches, traditionelles Leben. Die Kriminalität ist selbst in den Städten sehr gering, Auslandseinkommen sind steuerfrei, es gibt nahezu flächendeckende schnelle Internetverbindungen und noch viele weitere Annehmlichkeiten, welche dieses kleine südosasiatische Land bietet.
Trotzdem ist Kambodscha kein typisches Auswanderungsland, weil es in vielerlei Hinsicht nicht den Erwartungen, sagen wir mal, einer deutschen Durchschnittsfamilie entspricht.
Arbeitsmarkt für Ausländer
Man findet hier, wenn man kein Experte in einem gefragten Bereich ist und auch keine Kontakte hat, keine feste Arbeit. Das hat zur Folge, dass man auch keine Arbeitsgenehmigung und das damit verbundene Visum für einen langfristigen Aufenthalt erhält. Die einzige Möglichkeit, als Ausländer ohne festen Job ein Visum und eine Arbeitsgenehmigung zu bekommen, ist, wenn man sich selbstständig macht.
Somit stellt sich die Frage, womit man sich selbstständig machen soll. Sollte man ein Restaurant oder ein Guesthouse eröffnen, die es schon wie Sand am Meer gibt, oder deutsche Wurstwaren verkaufen, die man mittlerweile auch überall bekommt? Mit all dem wird man wahrscheinlich nur schlecht überleben können. Ausländer, die ihr Geld in irgendeinem Bereich online verdienen, haben da einen klaren Vorteil, weil sie nicht vom lokalen Arbeitsmarkt abhängig sind.
Auch Personen über 55 Jahre haben kein Problem, ein Visum zu bekommen. Für die gibt es ein sogenanntes „Retirement-Visum“, welches nicht an eine Arbeitsgenehmigung gebunden ist. Logischerweise darf man mit diesem Visum nicht arbeiten und auch keinen Nebenjob ausüben.
Medizinische Versorgung
Das nächste Thema, welches bei deutschen Auswanderern immer ganz oben auf der Liste steht, ist eine gute medizinische Versorgung. Die ist in Kambodscha nur in privaten Krankenhäusern in größeren Städten gegeben, allen voran in der Hauptstadt Phnom Penh.
Außerhalb von Städten, wie auch hier in Kep, wo es lediglich ein kleines Provinzkrankenhaus gibt, wird nur eine medizinische Basisversorgung geboten. In einem Notfall wäre für uns der nächste Anlaufpunkt ein besseres Krankenhaus in der Nachbarprovinz Kampot.
Wer also ernsthafte gesundheitliche Leiden hat und auf regelmäßige medizinische Behandlung angewiesen ist, sollte genauso wenig nach Kambodscha auswandern wie derjenige, der eine feste Arbeitsstelle sucht.
Schulen für die Kinder
Auch für Familien mit schulpflichtigen Kindern ist Kambodscha wahrscheinlich nicht das geeignetste Auswanderungsland. An kostenlosen staatlichen Schulen ist die Unterrichtssprache die Landessprache Khmer und Englisch wird nur zusätzlich als Fremdsprache gelehrt. Nur Privatschulen sind meist englischsprachige Schulen, welche aber aus eigener Tasche bezahlt werden müssen.
Ob das Bildungsniveau in Deutschland nun viel besser ist als hier in Kambodscha, vermag ich nicht zu beurteilen. Die meisten kambodschanischen Kinder machen auf mich einen ziemlich gebildeten Eindruck und sind grundsätzlich auch sehr wissbegierig. Laut mir persönlich bekannten Lehrern ist die Bereitschaft zum lernen unter ihnen sehr hoch.
Vorteile gegenüber deutschen Schulen sind, dass die Kinder hier auf jeden Fall auch Dinge wie Respekt gegenüber Älteren, Mitgefühl gegenüber Schwächeren und menschliche Werte lernen, wie sie in der westlichen Welt offenbar nicht mehr üblich sind. Auch das überzogene Konsumverhalten, womit die Kinder in der westlichen Welt konfrontiert werden, gibt es hier nur ansatzweise. Die Problematik der Glaubensfrage, ob jemand nun Muslim, Christ oder sonst etwas ist, entfällt an kambodschanischen Schulen komplett.



