Es gab mal eine Zeit, in der man in Kambodscha ohne eine Tasche voller kleiner Geldscheine gar nicht erst das Haus verlassen brauchte. Eine Schüssel Nudelsuppe, ein Kaffee an einem Straßenstand, eine Fahrt mit dem Motorradtaxi oder ein Einkauf auf dem Markt – für all das brauchte man Bargeld.
Heute kann man in ein Café gehen, Obst an einem Marktstand kaufen, eine Restaurantrechnung oder sogar irgendwo einen überraschend kleinen Betrag bezahlen und man braucht nichts weiter als sein Handy. Anstatt einen Geldschein zu überreichen, richtet man die Handy-Kamera auf ein kleines Quadrat aus schwarz-weißen Pixeln.
Kambodscha hat sich bemerkenswert gut und nahezu flächendeckend auf bargeldloses Bezahlen umgestellt. Und das Interessante daran ist nicht nur die Technologie. Es ist vielmehr, wie schnell der QR-Code ein Teil des alltäglichen Lebens in Kambodscha geworden ist.
Das kleine Quadrat, das den täglichen Zahlungsverkehr verändert hat
Egal, wo man sich in Kambodscha befindet, wenn man sich umschaut, sieht man überall kleine Schilder mit QR-Codes. Sie stehen auf Theken in Restaurants und Cafés, Marktstände haben sie, sie kleben an Schaufenstern und hängen sogar an Tuk-Tuks oder den Ständen von Straßenhändlern. Für den Kunden bedeutet das: Um zu bezahlen, braucht er nur seine Banking- oder Zahlungs-App öffnen, den Code scannen, den Betrag eingeben und auf „Bezahlen“ tippen.
Das System, das dahintersteckt, nennt sich KHQR, Kambodschas standardisiertes QR-Zahlungssystem, das im Rahmen der „Bakong“-Infrastruktur der Nationalbank von Kambodscha entwickelt wurde. Die Idee ist besonders praktisch: Ein einziger standardisierter QR-Code kann Zahlungen über verschiedene teilnehmende Banken und Zahlungsdienste akzeptieren.
Dieser QR-Code sieht nicht besonders beeindruckend aus. Er ist nur ein kleines Quadrat mit einem wirren aufgedruckten Pixel-Muster. Dennoch hat er still und leise die Bedeutung des Geldverkehrs im kambodschanischen Alltag verändert. Das Geld befindet sich nun nicht mehr in einem Portemonnaie, sondern auf einem Smartphone.
Bakong hat den QR-Code alltäglich gemacht
Das „Bakong“-System der Nationalbank von Kambodscha (NBC) hat dazu beigetragen, ein ungewöhnlich vernetztes digitales Zahlungsumfeld zu schaffen.
Bis 2025 wickelte Bakong rund 1,3 Milliarden Transaktionen ab, was einem Anstieg von 118,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Nach Angaben der NBC spiegelt dieses Wachstum die zunehmend häufige Nutzung im Einzelhandel und den anhaltenden Trend hin zu einer bargeldloseren Wirtschaft wider.
Das bedeutet nicht, dass die Kambodschaner plötzlich aufgehört hätten, Bargeld zu nutzen. Das ist nicht der Fall.
Bargeld bleibt nach wie vor nützlich, insbesondere für einige kleine Händler, Transaktionen in manchen ländlichen Gebieten und Situationen, in denen digitales Bezahlen einfach unpraktisch ist. Doch die Smartphone-Variante hat sich in vielen Alltagssituationen zu einem bemerkenswert effektiven Ersatz für die Geldbörse entwickelt.
Auch Besucher können mitmachen
Das System ist auch nicht mehr nur auf Personen beschränkt, die ein kambodschanisches Bankkonto haben.
Im Jahr 2025 führte die Nationalbank von Kambodscha gemeinsam mit Visa die „Bakong Tourists App“ ein, die es internationalen Besuchern ermöglicht, ihre Visa-Karten zu verknüpfen und bei teilnehmenden kambodschanischen Händlern und Geschäften Zahlungen über KHQR zu tätigen.
Auch die grenzüberschreitenden QR-Verbindungen wurden ausgebaut und verbinden Kambodscha nun mit mehreren anderen Ländern und internationalen Zahlungsnetzwerken.
Für Reisende ergibt sich dadurch eine interessante Alternative: Anstatt vor dem Kauf Geld zu wechseln, kann der ausländische Besucher mit dieser App einfach denselben kleinen QR-Code scannen, den auch die einheimischen Kunden nutzen.
Das kambodschanische Portemonnaie verschwindet langsam aus dem Blickfeld
Diese Veränderung hat eine äußerst praktische Seite. Bargeld ist sichtbar. Man zählt es, faltet es, trennt kleine von großen Scheinen und stellt gelegentlich fest, dass das Portemonnaie viel zu viele 1.000-Riel-Scheine enthält.
Bei einer QR-Code-Zahlung bleibt fast nichts zurück. Der Ladenbesitzer muss kein Wechselgeld suchen. Der Kunde muss sich keine Gedanken darüber machen, ob der Verkäufer genügend kleine Scheine hat. Eine Zahlung von ein paar tausend Riel lässt sich genauso einfach überweisen wie eine viel größere.
Diese Praktikabilität erklärt wahrscheinlich einen Teil der Attraktivität. Die Kambodschaner haben Bargeld nicht aufgegeben, weil es plötzlich aus der Mode gekommen wäre. Das digitale Bezahlen hat einfach einige kleine Unannehmlichkeiten des Alltags beseitigt.
Fazit
Das Auffälligste an Kambodschas Übergang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr ist, wie selbstverständlich er mittlerweile geworden ist.
Es gibt keinen dramatischen Moment, in dem plötzlich alle ihre Geldbörsen wegwerfen. Stattdessen taucht ganz unauffällig ein QR-Code neben der Kasse auf, dann am Marktstand, dann im Café – bis man schließlich feststellt, dass man sein Mittagessen gekauft hat, ohne den ganzen Tag auch nur eine Banknote angefasst zu haben.
Braucht man also Bargeld in Kambodscha? Ja, manchmal schon. Aber immer häufiger braucht man ein aufgeladenes Handy mehr als eine prall gefüllte Brieftasche. Und in Kambodscha ist dieses kleine schwarz-weiße Quadrat zu einem der alltäglichsten Zeichen eines sich rasch wandelnden Alltags geworden.
Persönlich nutze ich beides, je nach Situation: Bargeldzahlungen und QR-Code-Zahlungen. In Kep bezahle ich größtenteils mit Bargeld, weil ich mein Handy nicht mitschleppen will, nur weil ich mal kurz in den nächsten Laden gehe. In Kampot oder Phnom Penh zahle ich fast ausschließlich mit dem Handy, weil ich dort viel öfter etwas bezahlen muss, was dann einfacher und schneller geht.
Inspirationsquelle: https://cambodianess.com/article/khmer-note-why-you-barely-need-cash-in-cambodia-now



