Leben in Kambodscha

Blick aufs Meer von der Terrasse des Deli's Restaurant und Cafés in Kep.

Die Auswanderer aus dem Westen kommen

⏱️ Lesedauer: 4 Minuten

Als jemand, der in Kambodscha lebt, bin ich Mitglied in diversen Kambodscha-Expat-Facebook-Gruppen, wie wahrscheinlich die meisten hier lebenden Ausländer auch. Ein großer Teil der dortigen Veröffentlichungen besteht ja aus Werbeanzeigen für alles Mögliche. Informative oder interessante Dinge sind eher die Seltenheit.

Kampot, das neue Traumziel der Auswanderer

Rein subjektiv betrachtet sind mir in letzter Zeit aber auch vermehrt Beiträge von Ausländern aller westlichen Nationalitäten aufgefallen, die offenbar planen, nach Kambodscha auszuwandern. Eines der Hauptanlaufziele scheint das Städtchen Kampot zu sein. Da heißt es dann häufig: „Hallo an die Gruppe, ich bin der und der und werde dann und dann in Kampot ankommen und bleiben.“

Was dabei besonders auffällt, ist, dass die meisten gleich nach einer Gemeinschaft ihrer Landleute fragen, der sie sich anschließen können. Das bedeutet, sie wandern aus, um dann am neuen Wohnort die gleichen Gestalten um sich zu haben wie in ihrer Heimat. Ein praktischer Weg, den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung auf ein Minimum zu beschränken.

Hilflosigkeit statt Entdeckerfreude

Dass viele dieser Personen ihren Plan offenbar auch wirklich in Tat umsetzen, kann man ebenfalls in den betreffenden Facebook-Gruppen lesen. Da wird dann von offensichtlich völlig hilflosen Personen gefragt: „Wo kann ich ein Brot kaufen?“ Eine Möglichkeit wäre ja, sich einmal auf den Weg zu machen und nach einem Laden zu suchen. So würde man auch gleich sein neues Umfeld besser kennenlernen.

Ähnlich verhält es sich bei denen, die fragen: „Warum gibt es hier nicht diesen und jenen Artikel?“ In meinem Heimatland bekomme ich den überall. Oder sie geben vermeidlich gute Tipps. Wie zum Beispiel: Das müssten die Kambodschaner so oder so machen, dann würde das alles besser funktionieren. Also Dinge, auf die in Kambodscha noch nie jemand gekommen ist und die dem Land einen wahren Segen versprechen würden.

Beschweren statt anpassen

Es sind auch Leute aus westlichen Ländern hierhergezogen, die sich über die Preise der Essensstände am Straßenrand beschweren. Dass es ja wohl ein unmöglicher Zustand wäre, wenn ein belegtes Baguette plötzlich teurer geworden ist. Oder derjenige, der sich darüber aufgeregt hat, dass die Kambodschaner in der Sauna ihre Geschlechtsteile bedecken, und ihnen deshalb ein kulturelles Defizit vorwirft.

Die Anzahl der Beiträge, in denen Hilflosigkeit, Weltfremdheit und westliche Arroganz zur Schau gestellt werden, wird immer größer. Natürlich gibt es auch die anderen: Auswanderer, die bereit sind, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie in Kambodscha sind, und sich den Gegebenheiten anzupassen, statt sie nach den eigenen Maßstäben zu bewerten.

Genau das aber, sich einzufügen, die Sprache zu lernen, die fremden Sitten zu respektieren, ohne ständig zu vergleichen und sich zu beschweren, ist genau das, was viele dieser Menschen in ihrer Heimat von Flüchtlingen und Einwanderern erwarten. Nur scheinen sie selbst, sobald sie in der Rolle des Ausländers sind, nicht bereit, sich an den eigenen Maßstab zu halten.

Warum ich diesen Beitrag schreibe

Was hat mich bewegt, diesen Beitrag zu schreiben? Es war im Grunde nicht nur die wachsende Anzahl der teilweise unglaublichen Posts in den Facebook-Gruppen, sondern auch ein Kommentar zu meinem letzten Blog-Beitrag von einem Leser und Facebook-Freund. Der kommentierte, dass man vielleicht besser nicht so viel Werbung für Kambodscha machen sollte, weil eine wachsende Zahl von Ausländern dem Land nicht nur Gutes bringt.

Hierbei muss man natürlich zwischen Touristen und Leuten, die sich hier dauerhaft niederlassen wollen, unterscheiden. Die Tourismus-Industrie des Landes ist schwer angeschlagen, sodass es durchaus Sinn macht, mit Werbung für Kambodscha unterstützend tätig zu sein. Dass dadurch aber auch mehr Leute animiert werden, gleich hierherzuziehen, auch solche, die besser in ihrer Heimat bleiben sollten, ist dabei wohl ein unvermeidbarer Nebeneffekt.

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„Alles, was wir sind, ist ein Resultat dessen, was wir gedacht haben.“ – aus dem Dhammapada

Der Blog Author auf einem Steg im Sailing Club Kep.

Der Autor

Hallo, ich bin Andreas Stöcker unter Kambodscha Fans als Don Kong bekannt. Ich lebe seit 1999 in Südostasien, von wo ich über Land, Leute und mein Leben berichte.

Wie ich in Südostasien gelandet bin?

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