Leben in Kambodscha

Ein wildlebender Makake steht wachsam auf einem Baumstamm in den üppigen Wäldern von Siem Reap, Kambodscha.

Kambodscha, Ökotourismus-Land Nr. 1

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Im aktuellen Ranking des US-amerikanischen Magazins „US News & World Report“ sichert sich Kambodscha den Spitzenplatz unter den südostasiatischen Ländern in der Kategorie „Natur-Ökotourismus“ und landet damit im weltweiten Vergleich auf Rang 17, noch vor Nachbarländern wie Thailand, Laos und Malaysia. An der Spitze des globalen Rankings stehen die Seychellen, gefolgt von Slowenien und Kroatien. Bewertet werden dabei Kriterien wie der Zustand der Wälder, die biologische Vielfalt, die Größe und Qualität der Schutzgebiete sowie kulturelle Sehenswürdigkeiten, in Kambodschas Fall unter anderem der Tempelkomplex von Angkor Wat. Entscheidend für ein gutes Abschneiden ist laut Ranking-Kriterien vor allem das Zusammenspiel aus intakter Natur, aktivem Umweltschutz und kulturellem Erbe.

Die Platzierung reiht sich in eine ganze Serie positiver Bewertungen für Kambodscha ein: Bereits im Mai 2026 hatte dasselbe Ranking-Format das Land weltweit auf Platz 1 in der Kategorie „Natural Environment“ gesetzt. Kurz danach folgte die Aufnahme in Wanderlust Magazines „Travel Green List 2026“. Dort war Kambodscha neben den Philippinen das einzige weitere südostasiatische Land auf der Liste.

Offizielle Reaktionen und Regierungspolitik

Das Umweltministerium gab umgehend eine selbstbewusste Erklärung ab: Man wertet die Auszeichnung als Ausdruck von Frieden im Land sowie als Bestätigung der eigenen Strategien im Rahmen der „Vision 2050“. Umweltminister Eang Sophalleth erklärte gegenüber Khmer Times, die Regierung verfolge drei parallele Stoßrichtungen: den Erhalt bestehender Naturflächen, die gezielte Vergrößerung der Waldfläche sowie den Ausbau „grüner“ Destinationen, von denen die lokale Bevölkerung dauerhaft profitieren soll. Um Verstöße wie illegale Rodung frühzeitig zu erkennen, rüsten die Umweltbehörden in den Provinzen mit Satellitendaten, Drohneneinsätzen und präzisen digitalen Karten der Schutzgebietsgrenzen technisch auf.

Eine Luftaufnahme der Abholzung im dichten Dschungel von Mondulkiri, Kambodscha.
Abholzung im dichten Dschungel von Mondulkiri

Naturschutz und Artenerhalt

Landesweit erstreckt sich ein Netz aus Schutzgebieten unterschiedlichster Kategorien: sieben Nationalparks, zehn Wildtierreservate, drei geschützte Landschaften sowie zusätzliche Schutzwälder und Fischereizonen. Als besonders gelungenes Beispiel gilt häufig das Cardamom-Gebirge: Im dortigen Dorf Chi Phat, wo seit 2007 ein Gemeinschaftsprojekt für nachhaltigen Tourismus besteht, haben ehemalige Wilderer und Holzfäller inzwischen als Ökotourismus-Guides ein Auskommen gefunden. Ein Wandel, der den Druck auf Wald und Wildtiere spürbar verringert haben soll. Im abgelegenen Areng-Tal in der Provinz Koh Kong wiederum überleben einige der letzten wildlebenden Siamkrokodile weltweit, begleitet von rund 30 weiteren bedrohten Arten, darunter Grüne Bambusottern, verschiedene Nashornvogel-Arten und Plumploris. Parallel dazu laufen groß angelegte Aufforstungsprogramme: Landesweit wurden bereits mindestens eine Million Setzlinge an die Bevölkerung verteilt, mit dem erklärten Ziel, verlorene Waldflächen zurückzugewinnen und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.

Dass dieser Erfolg keine Selbstverständlichkeit ist, zeigen ältere Auswertungen: Zwischen 2010 und 2016 schrumpfte Kambodschas Waldfläche merklich, getrieben von illegalem Holzeinschlag und der Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Gerade deshalb setzen viele Organisationen mittlerweile bewusst auf Ökotourismus als wirtschaftliche Gegenstrategie zur Abholzung.

Einkommensmöglichkeiten für die Bevölkerung

Besonders aufschlussreich sind die Zahlen, die das Umweltministerium im Zusammenhang mit neuen Förderrichtlinien für gemeindebasierten Tourismus veröffentlicht hat: Allein über den Verkauf von Eintrittstickets nehmen solche Projekte landesweit jährlich zwischen 800.000 und einer Million US-Dollar ein, locken bis zu eine Million einheimische Gäste an und sichern schätzungsweise 4.400 Arbeitsplätze.

Einige Projekte, die in der Berichterstattung immer wieder als Positivbeispiele auftauchen:

  • Chi Phat im Cardamom-Gebirge: Die Dorfgemeinschaft organisiert Wanderungen, Radtouren und Bootsausflüge komplett in Eigenregie, die Einnahmen fließen zurück in die Gemeinde.
  • Wild KK Project im Areng-Tal: Entstanden aus der Umweltbewegung Mother Nature Cambodia, verschafft das Projekt rund 1.300 indigenen Bewohnern eine alternative Einkommensquelle und lenkt gleichzeitig Aufmerksamkeit auf die Bedrohung des Tals durch ein geplantes Staudammvorhaben.
  • Mondulkiri: Hier liegt der Schwerpunkt auf tierschutzgerechtem Elefanten-Tourismus, bei dem Beobachten statt Reiten im Vordergrund steht. Die Provinz zieht zudem umfangreiche private Investitionen an, etwa rund um das „Keo Seima Wildlife Sanctuary“.
  • Leng Kao-Wasserfälle in Mondulkiri: ein beliebtes, von der Gemeinde selbst verwaltetes Ausflugsziel.

Der Kontext: Ein schwieriges Tourismusjahr

Bemerkenswert ist der zeitliche Zusammenhang: In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 kamen nur rund 1,99 Millionen internationale Besucher nach Kambodscha. Ein Einbruch von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie das Tourismusministerium mitteilte. Tourismusminister Huot Hak macht dafür mehrere Faktoren verantwortlich: negative Schlagzeilen rund um Online-Betrugsnetzwerke im Land, anhaltende Spannungen an der Grenze zu Thailand sowie gestiegene Treibstoffkosten infolge der Konflikte im Nahen Osten. Vor diesem Hintergrund kommt die Ökotourismus-Auszeichnung zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche dringend auf positive Nachrichten angewiesen ist, und dürfte entsprechend intensiv als Werbeargument genutzt werden.

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„Alles, was wir sind, ist ein Resultat dessen, was wir gedacht haben.“ – aus dem Dhammapada

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Der Autor

Hallo, ich bin Andreas Stöcker unter Kambodscha Fans als Don Kong bekannt. Ich lebe seit 1999 in Südostasien, von wo ich über Land, Leute und mein Leben berichte.

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