Wenn du planst, irgendwann demnächst nach Kambodscha auszuwandern, solltest du diesen Beitrag lesen. Die letzten Daten von Penn World Table zeigen, dass sich die Lücke zu den Lebenshaltungskosten in den USA und damit auch zu denen in Europa schließt. Somit ist Kambodscha auf dem Weg, seinen Ruf als ultragünstiges Reise- und Auswanderungsziel langsam zu verlieren.
Was ist die Penn World Table (PWT)?
Die PWT ist eine Datenbank, entwickelt und gepflegt von Wissenschaftlern der University of California und des Groningen Growth Development Centre der Universität Groningen, mit Informationen zu den relativen Niveaus von Einkommen, Produktion, Vorleistungen und Produktivität, die 185 Länder im Zeitraum von 1950 bis 2023 abdeckt. Eine Quelle, die von Ökonomen weltweit genutzt wird.
Was sagen die Daten?
Es gibt einen internationalen Standard, um Lebenshaltungskosten, also das Preisniveau, zwischen Ländern zu vergleichen. Die USA werden dafür als Richtwert gesetzt (100 Prozent). Jedes andere Land wird damit verglichen: Wie teuer oder billig sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu den USA?
Die Preisentwicklung in Kambodscha der letzten acht Jahre:
- 2015: 32 Prozent
- 2019: 36 Prozent
- 2021: 37 Prozent
- 2022: 38 Prozent
- 2023: 45 Prozent
Das bedeutet, dass Kambodschas Preisniveau in 2015 bei etwa 32 Prozent der US-Preise lag. Stell dir also vor, ein Warenkorb mit alltäglichen Waren im Wert von 100 Dollar in den USA mit Dingen wie Lebensmittel, Miete und grundlegenden Dienstleistungen hätte dich in Kambodscha nur etwa 32 Dollar gekostet. Spule nun bis 2023 vor, und derselbe Warenkorb kostet etwa 45 Dollar.
Von 2015 bis 2022 sind die Preise nur langsam gestiegen, aber 2023 folgte ein deutlich größerer Sprung auf 45 Prozent. Trotz des Anstiegs bleibt Kambodscha die günstigere Option, aber die Lücke ist nicht mehr so groß wie früher und der Trend hat bis jetzt angehalten.
Warum passiert das?
Es sind mehrere Faktoren, die hier zusammenwirken:
1. Normale Inflation
Wie überall auf der Welt steigen die Preise. Geld verliert also an Wert.
2. Der Riel wird stärker
Kambodschas Währung, der Riel, wird im Vergleich zum Dollar stärker. Wenn das passiert, wird Kambodscha auf der internationalen Bühne teurer. Schnell wachsende Volkswirtschaften neigen dazu, steigende Preise zu verzeichnen, wenn Einkommen und Nachfrage anziehen, und Kambodscha ist da keine Ausnahme. Ein stärkerer Riel ist eigentlich gut für das Land, denn das bedeutet wirtschaftliche Stabilität. Aber für internationale Preisvergleiche bedeutet es, dass die Lebenshaltungskosten höher steigen.
3. Wirtschaftliches Wachstum erzeugt höhere Preise
Das ist das Paradox der Entwicklung: Wenn ein armes Land reicher wird, werden auch die Preise höher. Mehr Menschen haben mehr Geld, die Nachfrage steigt und die Preise steigen. Auch das ist grundsätzlich nicht schlecht, denn es bedeutet, dass Menschen wohlhabender werden.
4. Der große Sprung 2022-2023
Der Sprung von 2022 auf 2023 ist das, was auffällt. Ein Anstieg um sieben Punkte in einem einzelnen Jahr ist ungewöhnlich und eine große Verschiebung, sodass Ökonomen untersuchen wollen, was sie verursacht hat. Die Frage, die sich hier stellt, ist: War es ein einmaliger Anstieg, eine Währungsschwankung oder der Anfang von etwas Längerfristigem?
In jedem Fall sind das nicht nur Zahlen in einem Diagramm. Für Menschen, die in Kambodscha leben, zeigt sich dies auf Wegen, die für viele zu spüren sind. Teurere Lebensmittel, hier und da höhere Miete und das Gefühl, dass Geld nicht mehr so viel Wert ist wie früher.
Für wen bedeutet das was?
Für Touristen: Kambodscha ist immer noch günstiger als die meisten westlichen Länder. Es ist einfach nur nicht mehr „ultra-billig“. Deine zwei Wochen Urlaub werden zwar ein wenig teurer werden, aber sind wahrscheinlich immer noch günstiger als eine Reise nach Thailand oder Bali.
Für digitale Nomaden: Viele digitale Nomaden kamen nach Kambodscha, weil sie für etwa 800 Dollar im Monat gut leben konnten (Apartment, Essen, Motorrad, alles inbegriffen). Das ist immer noch möglich, aber es wird knapper. 1000–1200 Dollar sind nun realistischer, wenn man einen halbwegs komfortablen Lebensstil haben will.
Für Expats mit Einkommen: Es kommt drauf an, wovon du lebst. Wenn du remote für ein internationales Unternehmen arbeitest und in Dollar/Euro bezahlt wirst, ist die Teuerung ärgerlich, aber nicht lebensverändernd. Wenn du aber von einer kleinen Rente oder einem lokalen Gehalt lebst, wird es schon schwieriger.
Für Kambodschaner: Die hier wichtigste Gruppe von Menschen. Für lokale Arbeitnehmer im unteren Lohnsektor ist das ein echtes Problem. Die Löhne steigen nicht so schnell wie die Lebenshaltungskosten. Jemand, der nur 300 Dollar im Monat verdient, sieht die Preise steigen, ohne dass das Gehalt sich anpasst.
Das Fazit
Kambodscha wird teurer, was im Grunde ja keine Überraschung ist, weil es mit der Zeit überall auf der Welt teurer wird. Bemerkenswert ist aber der besondere Sprung von 2022 auf 2023. Das bedeutet nicht, dass Kambodscha nun teuer ist, jedenfalls nicht im globalen Vergleich. Es bedeutet aber, dass Kambodscha nicht mehr ganz so das „billige Paradies“ ist, das es früher einmal war.
Es ist nach wie vor ein großartiges Land zum Leben und es ist immer noch günstiger als die meisten Alternativen. Der Mythos vom „Ich lebe hier für fast nichts“ ist langsam vorbei.
Aber das Leben in Kambodscha geht weiter. Nur halt etwas teurer.




Ein Kommentar
Kann ich absolut so bestätigen. In über 10 Jahren aktivem Leben in Kambodscha kann ich aber klar sagen das unsere Lebenserhaltungskosten günstiger geworden sind wobei die Dinge alle erheblich teurer geworden sind.
Mit zunehmender Lebenszeit in Kambodscha nimmt man sukzessive mehr Abstand zu teuren Supermärkten und kauft regional auf den Märkten. Durch das regionale kaufen balanciert man die Preise schon relativ zurück ins Lot.
Würden wir nur in Supermärkten einkaufen wie 10 Jahre zuvor dann würden wir finanziell ein sehr großes Loch in der Geldbörse haben.
Die Teuerung ist auch regional an Kambodscha nicht vorbeigegangen. Selbst bei Normalen Dingen wie Obst Gemüse und Fleisch.
Kambodscha ist ein schönes Land, aber keineswegs ein günstiges , schon gar nicht im Vergleich zu Ländern wie Vietnam zB.
Man muss wirklich bewusst einkaufen gehen und Preise vergleichen.
Aber die Teuerung im Land betrifft aktuell die gesamte Welt und da heißt es einfach manchmal hier und da den Gürtel enger schnallen und Hähnchen statt Rind oder eben mehr reginonales Gemüse.