Leben in Kambodscha

Silhouetten von zwei buddhistischen Mönchen mit Regenschirmen und zwei Frauen vor dem Hintergrund eines Sonnenaufgangs in Battambang, Kambodscha.

Was ich durch den Buddhismus gelernt habe

⏱️ Lesedauer: 5 Minuten

Über 25 Jahre in Südostasien verändern einen Menschen. Nicht schlagartig, sondern Stück für Stück, fast unbemerkt, wie Wasser, das über Jahre einen Stein formt. Der Buddhismus, der in Thailand und hier in Kambodscha den Alltag durchdringt, war für mich einer der prägendsten Einflüsse auf diesem Weg.

Rückblickend war es meine thailändische Frau, eine waschechte Buddhistin, die mir den buddhistischen Lebensweg aufgezeigt hat. Wahrscheinlich ohne Absicht, sie hat einfach so weitergemacht, wie sie es gewohnt war. Ob unsere häufigen Besuche bei Mönchen, mein Aufenthalt als Laie in einem Kloster oder einfach ihre Sichtweise auf das Leben – all das hat mich im Laufe der Jahre ganz langsam und eher unbewusst geprägt.

Das Interesse, mich bewusst mit buddhistischen Lehren zu beschäftigen und sie in das Leben einfließen zu lassen, überkam mich erst viel später. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits getrennt von meiner Frau und lebte in Kambodscha. Der Auslöser war eine zu dieser Zeit schwierige Lebenssituation und die Empfehlung eines Freundes, mit Meditation zu beginnen.

Zeit, einmal die Punkte aufzuschreiben, welche die buddhistischen Lehren das Leben für mich positiv verändert haben.

Gegenwärtigkeit: Leben im Jetzt

Die meisten Menschen leben größtenteils im Kopf, zwischen der Sorge um morgen und dem Grübeln über gestern. Das eigentliche Leben, das genau jetzt in diesem Moment stattfindet, wird meist nur am Rande beachtet bzw. läuft unbewusst mechanisch ab.

Dabei ist das Jetzt nicht die Vorbereitung auf irgendetwas anderes. Es ist bereits das Leben selbst. Diese einfache Erkenntnis, die man in der buddhistischen Lehre unter Achtsamkeit kennt, hat mehr für meine innere Ruhe getan als alles andere.

Minimalismus: Weniger besitzen, mehr haben

„Was braucht man wirklich zum Leben?“ Diese Frage stellt sich kaum jemand. Es ist klar: schicke Wohnung, Auto, die neuesten Geräte, ein voller Kleiderschrank. Der Buddhismus lehrt etwas anderes, nämlich dass Verzicht kein trauriger Verlust ist, sondern die Befreiung von Verlangen (Tanha), das laut den Vier Edlen Wahrheiten eine Ursache von Leiden ist.

Mein Leben ist nun deutlich minimalistischer als früher. Und ehrlich gesagt, ich vermisse nichts von all dem, was ich früher hatte. Was bleibt, wenn man aufhört, sich über Dinge zu definieren und daran festzuhalten, ist überraschend viel Freiraum.

Mitgefühl: Der Blick über sich selbst hinaus

Eine der zentralsten Lehren des Buddha ist Mitgefühl, nicht als vage Nettigkeit, sondern als aktive Haltung gegenüber allem, was leidet. Das beginnt im Kleinen, wie zum Beispiel, geduldiger zu sein, wenn etwas nicht nach Plan läuft, Verständnis für Lebewesen in Not zu zeigen und eine helfende Hand zu reichen, wann immer man kann.

Wer in einem buddhistischen Land lebt, sieht täglich, wie selbstverständlich Mitgefühl in den Alltag eingewoben ist, von der Almosenrunde der Mönche bis zum ganz normalen Umgang miteinander. Natürlich ist nichts perfekt und so gibt es in Kambodscha auch Menschen, die kein Mitgefühl zeigen, aber diese sind hier eher in der Minderheit.

In jedem Fall hat es mich gelehrt, weniger zu urteilen, weniger zu verurteilen und mehr zu verstehen, warum Menschen (und, dazu komme ich gleich, auch Tiere) so handeln, wie sie handeln.

Tierliebe: Mitgefühl kennt keine Artgrenze

Eine Eigenschaft, die ich schon habe, seitdem ich denken kann, ist die Liebe zu Tieren. Somit ist für mich die schönste Erweiterung der buddhistischen Lehre vom Mitgefühl, dass sie nicht beim Menschen endet. Hier in Kep, wo Kühe, Hühner, streunende Hunde und viele andere Tierarten ganz selbstverständlich zum Alltag gehören, wurde mir bewusst, wie sehr ich die Gesellschaft von Tieren schätze, manchmal mehr als die von Menschen.

Ob es das Huhn ist, das sich neulich einen Nachmittag lang in unserem Wohnzimmer breitgemacht hat, oder die Katzen, die mit uns leben: Der Gedanke, dass jedes fühlende Wesen dasselbe Recht hat, nicht zu leiden, ist im Buddhismus tief verankert.

Loslassen: Nicht-Anhaften als Übung

„Halte fest, was du hast“ – das ist das Mantra einer deutschen Erziehung. Besitz, Status, Kontrolle, Sicherheit: Alles gilt es zu bewahren und zu verteidigen. Der Buddhismus hat mir eine andere Möglichkeit gezeigt: die Kunst des Nicht-Anhaftens.

Das bedeutet nicht etwa, dass einem alles egal wird. Es bedeutet, Dinge, Menschen und auch die eigenen Vorstellungen mit offener Hand zu halten, statt mit der Faust. Vieles im Leben verändert sich ohnehin, ob wir wollen oder nicht, und wer weniger fest daran klammert, leidet weniger, wenn es sich verändert. Ist doch logisch, oder?

Was bleibt

Ich bin kein spiritueller Lehrer und auch keinesfalls ein erleuchteter Mensch, sondern lediglich jemand, der langsam seinen eigenen Weg geht und dabei auch immer wieder mal stolpert. Aber wenn ich zurückblicke, hat mich der Buddhismus vor allem eines gelehrt, nämlich entspannter zu leben, mit offeneren Augen und einem weicheren Herzen, Menschen und Tieren gegenüber gleichermaßen.

Und das ist, ganz ohne Übertreibung, die wertvollste Lektion meiner Zeit hier in Südostasien.

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„Alles, was wir sind, ist ein Resultat dessen, was wir gedacht haben.“ – aus dem Dhammapada

Der Blog Author auf einem Steg im Sailing Club Kep.

Der Autor

Hallo, ich bin Andreas Stöcker unter Kambodscha Fans als Don Kong bekannt. Ich lebe seit 1999 in Südostasien, von wo ich über Land, Leute und mein Leben berichte.

Wie ich in Südostasien gelandet bin?

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