Hier bei uns im ländlichen Kep gibt es Kühe, Hühner, Ziegen und frei umherlaufende Hunde und Katzen. Diese Tiere gehören zum Landschaftsbild und man begegnet ihnen überall. Aber nicht nur draußen ist man ständig von Tieren umgeben, auch in unserem Haus leben neben zwei Katzen sowie den überall in Südostasien verbreiteten kleinen Geckos und zeitweise auch größeren Tokay-Geckos.
In den Bäumen, die um unser Haus herumstehen, springen Eichhörnchen umher und es huschen Mäuse und Reisfeld-Ratten durch die Büsche. Ab und an schwirrt am Abend eine Fledermaus durch unser Wohnzimmer und sehr selten verirrt sich auch mal eine Schlange, wahrscheinlich aus dem nahegelegenen Nationalpark kommend, in unsere Gefilde.
Abgesehen von dem, was es alles in meinem direkten Umfeld gibt, leben im Nationalpark neben über 100 Vogelarten und unzähligen Insektenarten auch Makaken-Affen und Fischotter, verschiedene Reptilien- und Amphibienarten und ein in Kambodschas Wäldern weit verbreitetes rehartiges Tier, den Muntjak.
Für jemanden wie mich, einen absoluten Tierliebhaber, der in vielen Fällen die Gesellschaft von Tieren mehr schätzt als die von Menschen, ein wahres Paradies.
Unerwarteter Besuch
Außer einer giftigen Schlange, die ich natürlich vorsichtig aus dem Haus entfernen würde, ist bei uns jedes Tier willkommen. Das muss auch das kleine Huhn gewusst haben, welches gegen Freitagmittag ins Wohnzimmer spazierte. Während ich am Schreibtisch saß und arbeitete, stolzierte es umher und sah sich alles genau an.
Meine Freundin machte sich gerade fertig, weil sie rausgehen wollte. Als sie das Huhn sah, welches weder einen scheuen noch ängstlichen Eindruck machte, stellte sie ihm ein Schüsselchen mit gekochtem Reis hin. Ich fragte noch, ob es für sie in Ordnung ist, wenn das Huhn eine Weile bei mir im Wohnzimmer bleibt. Sie sagte: „Ja, kein Problem“ und verschwand.
Der Kater hatte auch kein Problem damit, nur der Katze, die sowieso extrem wählerisch ist, was ihre Gesellschaft angeht, schien es nicht zu passen, sodass sie ebenfalls verschwand.
Zurück blieben nur der Kater, das Huhn und ich. Wir verbrachten einen friedlichen Nachmittag zusammen. Ich saß am Computer, der Kater an meinen Füßen unter dem Schreibtisch schlafend, und das Huhn hatte es sich oben auf der Rückenlehne eines Stuhles gemütlich gemacht.
Irgendwann bekam das Huhn Hunger und machte sich über den Reis her. Die Reiskörner flogen überall durch die Gegend und es blieb natürlich nicht aus, dass es hier und da auch ein Häufchen machte. Da bei uns ja alles gefliest ist, machte ich mir keine Gedanken darüber.
Dann gab es Ärger
Als meine Freundin wieder nach Hause kam, erstarrte sie angesichts der Schweinerei, welche das Huhn verursacht hatte. Sofort wurden sowohl ich als auch das Huhn angemeckert. Ich, weil ich nicht aufgepasst habe, und das Huhn, tja, ich weiß nicht warum.
Dabei hatte ich extra nachgefragt, ob das Huhn eine Weile bei mir bleiben kann. Ich hätte halt besser aufpassen müssen und das Huhn bei zunehmender Verschmutzung rauswerfen sollen, wurde mir vorgeworfen. Da habe ich wohl einen Fehler gemacht. weil ich es nicht übers Herz gebracht habe es aus dem Haus zu jagen.
Nachdem wieder alles sauber war, hatte sich meine Freundin abgeregt und dem Huhn ein lebenslanges Hausverbot ausgesprochen. Nun warte ich, bis mich mal einer der Affen besuchen kommt 😄



