Buddhistische Feiertage in Kambodscha

In Kambodscha ist der Theravada-Buddhismus tief im gesellschaftlichen Leben verwurzelt. Viele buddhistische Feiertage werden nicht nur in Tempeln (Pagoden) begangen, sondern auch im Familienkreis, mit Opfergaben, Gebeten, Meditation, Mönchsspeisungen und der Ehrung Verstorbener.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen großen buddhistischen Festen, regelmäßigen buddhistischen Feiertagen nach dem Mondkalender und regionalen oder volkstümlichen religiösen Bräuchen. Nicht alle davon sind arbeitsfreie Tage oder landesweit gleich verbreitet. Viele Termine richten sich nach dem traditionellen Khmer-Mondkalender und verschieben sich deshalb jedes Jahr im betreffenden Kalender.

1. Die wichtigsten buddhistischen Feiertage und Feste

Buddhistische Mönche und Gläubige ziehen bei einer abendlichen Kerzenprozession um eine Pagode in Kambodscha.

1. Meak Bochea – មាឃបូជា

Februar oder Anfang März · Vollmond

Einer der bedeutenden buddhistischen Gedenktage. Er erinnert an die Überlieferung, dass sich 1.250 Mönche spontan beim Buddha versammelten, um seine Lehre zu hören. In Kambodscha finden Gebete, Opfergaben und häufig abendliche Kerzenprozessionen rund um die Pagoden statt. Der Tag ist weiterhin religiös bedeutsam, auch wenn er kein offizieller arbeitsfreier Feiertag mehr ist.

Gläubige feiern Visak Bochea in Kambodscha mit Blumen, Kerzen und Gebeten vor Buddha-Statuen.

2. Visak Bochea – វិសាខបូជា

April oder Mai · Vollmond

Einer der heiligsten Tage des Theravada-Buddhismus. Er erinnert an die Geburt Siddhartha Gautamas, seine Erleuchtung und sein Parinirvana, also sein endgültiges Verlöschen. Gläubige besuchen Tempel, bringen Blumen und Räucherstäbchen dar, hören Dhamma-Vorträge und nehmen an Prozessionen teil. Visak Bochea ist ein offizieller Feiertag in Kambodscha.

Kambodschanische Familien bringen zum Khmer-Neujahr Opfergaben in eine Pagode und ehren Buddha.

3. Chaul Chhnam Thmey – ចូលឆ្នាំថ្មី

Mitte April · Khmer-Neujahr

Das traditionelle Khmer-Neujahr dauert gewöhnlich drei Tage. Es ist ein kulturelles Fest mit buddhistischen und älteren volkstümlichen Elementen. Familien besuchen Pagoden, bringen Speisen für Mönche, reinigen Buddha-Statuen und erweisen älteren Angehörigen Respekt. Daneben gibt es Familienfeiern, traditionelle Spiele und Wassersegnungen. Es gehört zu den wichtigsten Feiertagen des Landes.

Buddhistische Mönche beginnen die dreimonatige Regenzeitklausur in einer kambodschanischen Pagode.

4. Choul Vossa – ចូលវស្សា

Juli · Beginn der Regenzeitklausur

Mit diesem Fest beginnt die dreimonatige Regenzeitklausur der Mönche (Vassa). Die Mönche bleiben in dieser Zeit traditionell an ihrem Kloster und widmen sich verstärkt Meditation und Studium. Laien bringen Kerzen, Nahrung und weitere Gaben in die Pagoden. Das Fest hat eine wichtige religiöse Bedeutung, ist aber kein landesweiter gesetzlicher Feiertag.

Gläubige bringen während des Ahnenfestes Pchum Ben Reis und Speisen als Opfergaben in eine kambodschanische Pagode.

5. Pchum Ben – ភ្ជុំបិណ្ឌ

September oder Oktober · 15-tägige Festperiode

Das große kambodschanische Ahnenfest. Familien besuchen während der 15-tägigen Periode Pagoden, bringen Reis, Speisen und andere Gaben dar und widmen die dadurch erworbenen Verdienste verstorbenen Angehörigen. Besonders wichtig sind die letzten Festtage. Das Fest verbindet buddhistische Vorstellungen von Karma und Verdienstübertragung mit traditionellen Ahnenbräuchen. Die letzten drei Tage sind offizielle Feiertage.

Buddhistische Gläubige überreichen Mönchen bei einer Kathina-Zeremonie neue Roben und religiöse Gaben.

6. Kathina – កឋិន

Meist Oktober oder November · nach der Regenzeitklausur

Bei der Kathina-Zeremonie übergeben Laien den Mönchen neue Roben und weitere notwendige Dinge. Die Feier findet nach Abschluss der Regenzeitklausur statt und wird häufig von einer gemeinschaftlichen Prozession, Spenden und religiösen Verdiensten begleitet. Die Kathina-Zeit erstreckt sich über mehrere Wochen; die konkrete Feier findet je nach Pagode an unterschiedlichen Tagen statt.

2. Weitere buddhistische und religiös geprägte Festtage

Gläubige bringen während der Kan-Ben-Tage Speisen für Mönche in eine kambodschanische Pagode.

7. Kan Ben – កាន់បិណ្ឌ

Die ersten 14 Tage der Pchum-Ben-Periode

Die Vorbereitungs- und Gedenktage vor dem großen Ahnenfest. Familien wechseln sich beim Besuch der Pagoden ab und bringen Essen dar, damit Verdienste den verstorbenen Angehörigen gewidmet werden können. Kan Ben ist Teil des 15-tägigen Pchum-Ben-Festes, kein eigenständiger landesweiter gesetzlicher Feiertag.

Buddhistische Gläubige versammeln sich bei Kerzenlicht zu einer Zeremonie zum Gedenken an Buddhas erste Lehrrede.

8. Asalha Bochea – Āsāḷha Pūjā

Juni oder Juli · Vollmond

In der weiteren Theravada-Tradition erinnert dieser Tag an die erste Lehrrede des Buddha und die Ingangsetzung des Rades der Lehre. Er gilt als Beginn der buddhistischen Regenzeittradition. In Kambodscha ist er weniger prominent als Visak Bochea; die Bezeichnung und die Intensität der Feier können je nach Gemeinschaft variieren.

Buddhistische Mönche nehmen an einer Zeremonie zum Abschluss der traditionellen Regenzeitklausur teil.

9. Ende der Regenzeitklausur – Pavarana

Etwa drei Monate nach Choul Vossa

Mit dem Ende der Klausur dürfen Mönche ihre Zeit wieder freier außerhalb des Klosters verbringen. In der buddhistischen Ordensgemeinschaft ist Pavarana ein Tag der gegenseitigen Ermahnung und des Eingeständnisses möglicher Verfehlungen. Er steht in engem Zusammenhang mit der anschließenden Kathina-Zeit.

Gläubige besuchen eine kambodschanische Pagode an einem buddhistischen Mondtag für Gebete und Meditation.

10. Uposatha- bzw. Sila-Tage – ថ្ងៃសីល

Viermal pro Mondmonat

Regelmäßige buddhistische Besinnungs- und Feiertage. Sie fallen traditionell auf den achten und fünfzehnten Tag der zunehmenden sowie den achten und letzten Tag der abnehmenden Mondphase. Viele Gläubige besuchen die Pagode, halten zusätzliche ethische Regeln ein, meditieren oder hören Lehrreden. Sie sind keine gesetzlichen Feiertage, prägen aber den religiösen Alltag stark.

Buddhistische Mönche und Gläubige versammeln sich in einer Pagode, um die Geschichte des Prinzen Vessantara zu hören.

11. Vorträge und Lesungen des Vessantara-Jataka

Termine variieren nach Pagode und Gemeinde

Bei solchen Veranstaltungen wird die Geschichte des Prinzen Vessantara vorgetragen, der für seine außergewöhnliche Freigebigkeit bekannt ist. Das Zuhören und Unterstützen der religiösen Veranstaltung gilt als verdienstvoll. Solche Lesungen sind traditionelle religiöse Ereignisse, jedoch kein einheitlich festgelegter nationaler Feiertag.

3. Traditionelle Feste mit buddhistischen oder religiösen Bezügen

Diese Feste gehören ebenfalls zum religiösen und kulturellen Jahreslauf Kambodschas. Sie sind allerdings nicht ausschließlich buddhistisch.

Kambodschanisches Wasserfest Bon Om Touk mit traditionellen Bootsrennen, festlicher Beleuchtung und religiösen Zeremonien am Fluss.

12. Bon Om Touk – បុណ្យអុំទូក

Oktober oder November

Das Wasserfest markiert den Wechsel der Fließrichtung des Tonle Sap und das Ende der Regenzeit. Zu den Höhepunkten gehören Bootsrennen, Lichterprozessionen und die traditionelle Mondverehrung Sampeah Preah Khae. Es ist ein großes nationales Fest mit religiösen und kulturellen Elementen, aber kein rein buddhistischer Feiertag.

Königliche Pflugzeremonie: Traditionelle kambodschanische Pflugzeremonie mit heiligen Ochsen zur symbolischen Eröffnung der landwirtschaftlichen Saison.

13. Bon Chroat Preah Nongkoal – ព្រះរាជពិធីច្រត់ព្រះនង្គ័ល

Meist im Mai

Die königliche Pflugzeremonie eröffnet symbolisch die landwirtschaftliche Saison. Heilige Ochsen wählen aus verschiedenen Nahrungsmitteln; daraus werden traditionelle Vorhersagen für die kommende Ernte abgeleitet. Das Ritual stammt aus älteren religiösen Traditionen und ist heute Teil der kambodschanischen Staats- und Festkultur. Es ist kein rein buddhistisches Fest.

Buddhistische Mönche und Gläubige versammeln sich bei einem traditionellen Pagodenfest in Kambodscha zu Gebeten und Opfergaben.

14. Pagodenfeste und Tempeljubiläen

Lokal unterschiedliche Termine

Viele Pagoden feiern ihre Gründung, die Einweihung eines Gebäudes, die Fertigstellung eines Stupas oder das Gedenken an bedeutende Mönche. Dazu gehören Spenden, Gebete, Essensgaben und gemeinschaftliche Veranstaltungen. Es gibt dafür keinen einheitlichen kambodschanischen Feiertagskalender.

Kambodschanische Familie bringt Räucherstäbchen, Blumen und weitere Opfergaben dar, um verstorbener Angehöriger zu gedenken.

15. Ahnenrituale außerhalb von Pchum Ben

Je nach Familie und örtlicher Tradition

Familien bringen zu bestimmten Anlässen Opfergaben dar, gedenken verstorbener Angehöriger und widmen ihnen religiöse Verdienste. Solche Rituale können mit buddhistischen Zeremonien, Familiengedenktagen und älteren Khmer-Traditionen verbunden sein. Sie haben keine landesweit einheitlichen Termine.

4. Die wichtigsten Termine im buddhistischen Monatsrhythmus

Neben den großen Festen gibt es regelmäßige Anlässe, die du im Alltag in Kambodscha beobachten kannst:

  • Vollmondtage: Häufig besondere Gebets- und Opferanlässe, darunter Meak Bochea und Visak Bochea.
  • Neumond- und andere Mondphasen: Je nach Pagode finden zusätzliche Gebete, Meditationen und Verdienstrituale statt.
  • Mönchsspeisungen: Laien spenden regelmäßig Nahrung und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Das ist eine fortlaufende religiöse Praxis, kein eigener Feiertag.
  • Verdienstwidmungen für Verstorbene: Familien unterstützen Mönche und Pagoden, um Verdienste zu erwerben und diese verstorbenen Angehörigen zu widmen.


Die ersten beiden Punkte sind nicht überall gleich organisiert. Insbesondere die vier monatlichen Sila-Tage sind eine traditionelle Orientierung, während konkrete Zeremonien von der jeweiligen Pagode abhängen.

5. Übersicht: Welche Feste sind besonders wichtig?

Feiertag oder Fest

Ungefähre Zeit

Offizieller Feiertag?

Meak Bochea

Feb.–März

Nein

Khmer-Neujahr

April

Ja

Visak Bochea

April–Mai

Ja

Asalha Bochea

Juni–Juli

Kein regulärer landesweiter Feiertag

Choul Vossa

Juli

Nein

Pchum Ben / Kan Ben

Sept.–Okt.

Die letzten drei Tage von Pchum Ben: ja

Ende der Regenzeit-Klausur

Etwa Oktober

Kein eigenständiger allgemeiner Feiertag

Kathina

Okt.–Nov.

Nein

Wasserfest

Okt.–Nov.

Ja

Uposatha-/Sila-Tage

Viermal pro Mondmonat

Nein

Pagodenfeste und lokale Ahnenrituale

Unterschiedlich

In der Regel nein

Die gesetzlichen Feiertage beziehen sich auf den kambodschanischen Feiertagskalender 2026; religiöse Termine können sich jährlich verschieben.

„Alles, was wir sind, ist ein Resultat dessen, was wir gedacht haben.“ – aus dem Dhammapada

Der Blog Author auf einem Steg im Sailing Club Kep.

Der Autor

Hallo, ich bin Andreas Stöcker unter Kambodscha Fans als Don Kong bekannt. Ich lebe seit 1999 in Südostasien, von wo ich über Land, Leute und mein Leben berichte.

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