Knapp 10 Jahre sind rum, sodass ich einen neuen Reisepass benötige. Aus diesem Grund sind meine Freundin und ich am Sonntag nach Phnom Penh aufgebrochen. Für mich war das wie eine Weltreise gewesen, da das weiteste, wo ich in den letzten paar Jahren gewesen bin, das Städtchen Kampong Trach gewesen ist, was etwa 50 km von Kep entfernt liegt.
Hinfahrt mit Vireak Buntham Express
Auf Empfehlung meines Sohnes haben wir uns die Bustickets beim Anbieter Vireak Buntham Express gebucht, die dafür sogar eine eigene Telefon-App haben. Mir war Vireak Buntham noch als ein eher schmuddeliges, weniger vertrauenswürdiges Transportunternehmen in Erinnerung, welches ich immer gemieden habe. Aber das hat sich zu meiner Überraschung grundlegend geändert.
Wir sind in Kep in einen nagelneuen Reisebus mittlerer Größe eingestiegen, der pünktlich auf die Minute in Richtung Phnom Penh abfuhr. Die Sitze waren superbequem, mit viel Beinfreiheit und verstellbarer Rückenlehne. Auf der Rückseite des Vordersitzes befand sich für jeden Sitzplatz ein eingelassener Bildschirm, auf dem man wahlweise Filme schauen, Spiele spielen oder das Internet mit guter Verbindung abrufen konnte.
Kurz nach der Abfahrt verteilte eine sehr freundliche junge Dame in adretter Uniform Croissants und Getränke, sodass ich mich an den Service auf einem Langstreckenflug erinnert fühlte. Auf etwa halber Strecke gab es einen Zwischenstopp bei einer Tankstelle, die ich so auch noch nie gesehen hatte. Auch dort sah alles neu aus. Es gab mehrere Schnell-Restaurants, Essensstände, einen kleinen, gut sortierten Supermarkt und neue, saubere Toiletten.
Hotel im Stadtteil „Doun Penh“
Die Fahrt dauerte ca. 4 Stunden. In Phnom Penh hatte ich uns ein Zimmer für 2 Nächte in einem kleinen Hotel direkt an der Königlichen Hochschule für Bildende Künste gebucht. Diese Ecke der Stadt, die sich „Doun Penh“ nennt, gefällt mir sehr gut. Hier stehen noch viele alte Bauten aus den 50er- und 60er-Jahren, was etwas die Atmosphäre der guten alten Zeit vermittelt.
In den kleinen Seitenstraßen reihen sich lokale Geschäfte, Cafés und Restaurants aneinander. Wenn man hier herumschlendert, kann man viel Interessantes entdecken, in einem der kleinen Cafés sitzen oder lokale und internationale Küche genießen.
Uferpromenade am Sonntagabend
Gegen Abend haben wir uns auf den Weg zur Fluss-Promenade, dem „Preah Sisowath Quay“, gemacht. Seit Mitte letzten Jahres wird an Wochenenden (Samstag und Sonntag) zwischen 17:00 Uhr und 22:00 Uhr die komplette Uferstraße für den Verkehr gesperrt, sodass nicht nur die Promenade, sondern auch die Straße parallel zum Fluss zur Fußgängerzone wird. Entlang der gesamten Strecke stehen dann zahllose Fressbuden mit lokalen Spezialitäten und anderem Krimskrams.
Zwischendurch sitzen Musikergruppen, die schöne alte Khmer-Musik auf traditionellen Instrumenten spielen. Alles ist festlich beleuchtet und es ist küppeldick voll. Touristen sollten sich dieses Spektakel auf keinen Fall entgehen lassen.


Auf der Deutschen Botschaft
Am Montagvormittag hatte ich dann einen Termin auf der Deutschen Botschaft, wo ich einen neuen Reisepass beantragt habe. Ich kannte das ja alles schon, weil ich vor etwa 10 Jahren genau dort auch meinen letzten Reisepass bekommen habe. Es saß wieder eine der putzigen jungen Khmer-Damen mit Brille am Schalter, die natürlich wieder kein Deutsch sprach, aber der man deutlich anmerkte, wie stolz sie war, bei einer Botschaft angestellt zu sein.
Alles verlief problemlos, bis es darum ging, das Wechselgeld für die Passgebühren rauszugeben. Der Pass kostet 118,00 $ und ich habe ihr 2 Hundertdollarnoten gegeben. Kambodschanische Riel, also die Landeswährung, werden dort übrigens nicht akzeptiert. Die 82,00 $ Wechselgeld hatte sie nicht. Für mich sah es so aus, als ob sie überhaupt kein Geld da hätte. Aus den Medien ist mir ja bekannt, dass es finanziell um Deutschland nicht so gut bestellt ist, aber 82,00 $?
Also wurde ich aufgefordert, mich wieder hinzusetzen und zu warten. Nach etwa 20 Minuten hatte sie dann von irgendwo das Geld besorgt und ich konnte endlich gehen.
Statt 3 Spiegeleiern doch lieber ein Omelett
Bevor ich mich zur Botschaft aufmachte, hatte ich noch ein niedliches Erlebnis zum Frühstück. Gleich in der Nähe unseres Hotels gab es ein kleines Frühstücksrestaurant, welches schon morgens um 06:30 Uhr öffnete. Ideal für mich als Frühaufsteher. Ich bestellte von der Karte neben einem Kaffee ein Frühstück, bestehend aus zwei Spiegeleiern hausgemachtem Brot und Fruchtsaft. Dann fragte ich die junge Dame, ob ich das Frühstück bitte mit 3 Spiegeleiern haben könnte.
Als ich dann anbot, das zusätzliche Ei zu bezahlen, machte sich Unsicherheit auf ihrem Gesicht breit und sie überlegte. Mit dieser unerwarteten Änderung der Speisekarte hatte sie offenbar nicht gerechnet. Nach einigem Zögern empfahl sie mir dann doch, besser das Omelett zu nehmen, welches aus 5 Eiern zubereitet wird. Man könnte jetzt annehmen, dass sie eine gute Verkäuferin sei, aber das Omelett war viel preiswerter als das Frühstück mit den Spiegeleiern, weil da ja auch noch ein Fruchtsaft dabei war.
Selbstverständlich willigte ich ein und konnte mir, nachdem sie gegangen war, ein Lächeln nicht verkneifen. Ich liebe die Menschen hier und es gibt keinen mir bekannten Ort auf der Welt, an dem ich lieber wäre.



