Ich hatte ja schon angekündigt, dass der Junior einen Job in Aussicht hat, und für diesen hat er jetzt den Arbeitsvertrag unterschrieben. Am 26.01.2026 wird er in Phnom Penh seine neue Arbeitsstelle antreten. Nach 23 Jahren, in denen wir zusammengelebt haben, zieht er nun aus, um sein eigenes Leben zu beginnen. Das wird nicht nur für ihn, sondern auch für mich eine ziemliche Umstellung sein.
Auf jeden Fall freut er sich schon auf die neuen Herausforderungen, die auf ihn zukommen. Aber auch ich bin froh, dass meine jahrelangen Investitionen in die Privatschule damals in Sihanoukville und später in die US-amerikanische Online-High-School nun endlich Früchte tragen.
Lange sah es ja für ihn ziemlich hoffnungslos aus, eine adäquate Arbeitsstelle zu finden. Seitdem die Schule beendet war, hat er sich nur mit gelegentlichen Computer-Reparaturen und dem, was ich ihm an Arbeit von meinen Webdesign-Projekten abgeben konnte, beschäftigen müssen.
Hinzu kommt noch, dass Kep nicht gerade ein Quell des sprudelnden Lebens ist, sodass Abwechslung und Möglichkeiten für junge Leute nur auf ein Minimum begrenzt sind. Dies ist ein weiterer Grund, warum er sich auf den Umzug nach Phnom Penh freut.
Kontakte sind das halbe Leben
Der gesamte Bekanntenkreis des Juniors hat seinen Ursprung in der Privatschule. Dort waren nicht nur Kinder aus Familien, die es sich leisten konnten, sondern auch aus aller Herren Länder. Diese Kontakte bestehen bis heute und haben sich zu einem internationalen Netzwerk entwickelt, welches von Kambodscha nach Malaysia, Brasilien, Australien und der Ukraine reicht.
Im Laufe der Zeit hat sich dieses Netzwerk ausgedehnt, wodurch dann auch der Kontakt zu einem jungen Mann aus Singapur hinzugekommen ist. Dieser ist der Direktor eines kambodschanischen Firmenzweigs eines größeren in Singapur ansässigen Unternehmens, welches hochwertige, nicht ganz billige Süßigkeiten herstellt und vertreibt.
Die Firma ist seit 2 Jahren in Kambodscha tätig und dabei, ihre Geschäftsaktivitäten nun auszudehnen. Zu diesem Zweck wurde dem Junior eine Position im mittleren Management angeboten, mit der Aussicht, in die Firmenleitung aufzusteigen. Dies wird natürlich leistungsabhängig sein und auch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Ein Job mit guten Bedingungen
Von dem, was diese Firma alles bietet, konnte ich damals in Deutschland, als ich meine Lehrstelle bei Siemens angetreten habe, nur träumen. Es werden nicht nur die Kosten für den Umzug von Kep nach Phnom Penh voll übernommen, sondern es wird auch ein Apartment für ihn gesucht und die laufenden Mietkosten werden bezahlt. Man hat ihn sogar gefragt, welche Wünsche er bei der Wahl seiner neuen Behausung hat.
Zudem wird die Firma zukünftig auch sein Jahresvisum, seine Arbeitsgenehmigung und eine Krankenversicherung bezahlen. Die Bezahlung ist in der Einarbeitungszeit von 3 Monaten noch überschaubar, wird dann aber laut Arbeitsvertrag im dreimonatigen Rhythmus nach oben angepasst. Arbeitszeiten sind 8 Stunden am Tag, 6 Tage in der Woche, und ihm stehen 2 Wochen Urlaub im Jahr zu. Für Kambodscha also die üblichen Bedingungen bei Jobs, wo sich der Arbeitgeber an die Vorschriften hält.
Wir wissen nicht, was die Zukunft bringen wird
Ganz meiner buddhistischen Lebensphilosophie entsprechend verschwende ich keine großen Gedanken an die Zukunft. Entscheidend ist nur, wie wir die Weichen jetzt in diesem Moment stellen. Für den Junior, glaube ich, habe ich sie immer richtiggestellt, sowohl was seine Bildung als auch seine Erziehung angeht. Aus diesem Grund habe ich vollstes Vertrauen in ihn, dass er in seinem neuen Lebensabschnitt alles richtig machen wird.
Trotzdem, wie das Leben uns gelehrt hat, können Dinge auch schiefgehen, manchmal sogar, ohne dass wir etwas dazu beigetragen haben. Sollte der Junior also den Leistungsanforderungen nicht gerecht werden oder sich etwas anderes ereignen, was zum Verlust dieses Arbeitsplatzes führen könnte, wird die Welt deshalb nicht untergehen. Bei mir wird die Tür immer für ihn offenstehen.
Titelfoto: Produkte, die vom neuen Arbeitgeber meines Sohnes aus hochwertigen Zutaten und in Handarbeit hergestellt werden.



