Wenn Leute mich fragen, was man in der Provinz Kep neben dem Crab Market, dem Nationalpark und dem obligatorischen Sonnenuntergangs-Drink im Kep West noch machen kann, dann fällt mir ziemlich schnell ein Ort ein, der auf keiner der üblichen Touri-Listen steht: der Wat Phnom Sier, auch bekannt als „Phnom Sorsia“ oder „Phnom Sar Sear“. Khmer-Namen werden ja bekanntlich nie einheitlich ins Lateinische übertragen, deshalb kursieren hier gleich mehrere Schreibweisen.
Der Ort liegt im Dorf Dakchambok, Gemeinde O Krasar, etwa 14 km südwestlich von dem Städtchen Kep entfernt, direkt an der Straße, die nach Kampot führt. Man fährt quasi daran vorbei, wenn man zwischen den beiden Städten unterwegs ist, und die meisten tun das auch, einfach weil sie nicht wissen, was sich hinter dem unscheinbaren Hügel am Straßenrand verbirgt.

Ein kleiner Berg mit Geschichte
Der Legende nach soll hier einst Prinz Sakor Reach von seinem Pferd gestiegen sein, um sich unentdeckt vor den Truppen eines Angkor-Thom-Kommandanten am Bergrand entlangzuschleichen und seinen Verfolgern zu entkommen. Damals, so erzählt man sich, war der Berg noch eine Insel im Meer. Obwohl das eine mythologische Erzählung ist, geben solche Geschichten einem Ort eine Seele, und genau das spürt man hier auch, wenn man durch die Anlage läuft.
Phnom Sier besteht eigentlich aus drei kleinen Erhebungen, keine 40 Meter hoch, aber mit einer erstaunlichen Dichte an Sehenswertem für so ein kleines Fleckchen Erde.

Höhlen, Mönche und eine bunte Stupa
Am Fuß des Berges erwarten zwei natürliche Höhlen („Weiße-Elefanten-Höhle“ und eine Fledermaushöhle), Phnom Damrei Sar und Phnom Ach Prochiev, die man erkunden kann. In einer davon liegt ein kleiner Bergbrunnen, „Viel Sre Muoy Roy“ genannt, ein stiller, fast versteckter Ort, an dem man gerne mal einen Moment innehält. Rundherum stehen kleine Hallen, in denen Mönche und Nonnen meditieren, was der ganzen Sache eine sehr ruhige, kontemplative Note gibt. Kein Vergleich zu den überlaufenen Tempelanlagen, die man aus Reiseführern kennt.
Ein Pfad führt von dort aus hinauf zum Gipfel, wo eine aktive buddhistische Pagode mit Mönchen steht. Oben angekommen, wartet die eigentliche Krönung: eine bunte, kunstvoll gestaltete Stupa aus dem Jahr 1964, die eine Buddha-Reliquie beherbergen soll. Der Blick von dort oben geht über Reisfelder, das Meer, ein paar vorgelagerte Inseln und die umliegenden Berge. An einem klaren Tag ist das eine der schönsten Aussichten, die man in dieser Gegend bekommt, ganz ohne Eintritt und ohne Menschenmassen.
Für gläubige Khmer ist der Berg übrigens ein beliebter Ort, um für Glück und Wohlstand zu beten. Man merkt das an den vielen kleinen Räucherstäbchen-Resten und Opfergaben, die überall verteilt liegen.

Ein paar praktische Hinweise
Ein Eintritt wird offiziell nicht verlangt. Manchmal bieten Kinder aus dem Dorf an, einen durch die Höhlen zu führen, was durchaus hilfreich ist, weil sich die Wege dort drinnen nicht von selbst erklären. Ein kleines Trinkgeld ist dann angebracht und auch fair. Wer auf eigene Faust unterwegs sein möchte, sollte trotzdem festes Schuhwerk und etwas Wasser einpacken, denn die Stufen zum Gipfel sind bei der Hitze hier kein Spaziergang.
Wie bei jeder Tempelanlage in Kambodscha gilt auch hier: Schultern und Knie bedeckt halten, das ist einfach eine Frage des Respekts gegenüber den Mönchen und den Gläubigen vor Ort.
Warum sich der Umweg lohnt
Kep wird von den meisten Reisenden vor allem wegen des Krabbenmarktes und des entspannten, fast schläfrigen Küstenstädtchen-Flairs besucht. Aber die Provinz hat eben auch dieses andere Gesicht: ruhige Bergtempel, gelebte Spiritualität, Orte, an denen sich der Alltag der Menschen hier noch ziemlich unverfälscht zeigt. Der Wat Phnom Sier ist genau so ein Ort. Kein Muss, keine Pflichtstation aus dem Reiseführer – aber für alle, die auf dem Weg nach Kampot ohnehin vorbeikommen und ein bisschen Zeit mitbringen, ein wirklich schöner kleiner Abstecher, der zeigt, dass sich das Erkunden abseits der Hauptattraktionen in Kambodscha fast immer auszahlt.
Bildquelle: Fotos mit freundlicher Erlaubnis des kambodschanischen Ministeriums für Information.



